Hochzeitsfotografin – Bin ich mitten in der Scheidung noch authentisch? Blog & Podcast

Wie authentisch ist eine Hochzeitsfotografin mitten in der Scheidung? Uuuuuuuuuuuuuuuuund steht in der Überschrift tatsächlich was von PODCAST?!

 

Über diesen Blogbeitrag habe ich eine ganze Weile nachgedacht. Ja, sogar eine Diktier-App habe ich mir auf dem Handy installiert, um all die Gedanken erst einmal zu sammeln. Beim Abhören muss ich gestehen, ich mag meine Stimme und wie die Gedanken da so aus mir sprudeln…

Jaaaaa und das ist nun wohl auch der Grund, einer der Gründe, warum ihr euch zukünftig von mir vorlesen lassen dürft. Okay, das und der Gedanke der mir eben bei der Gute-Nacht-Geschichte für meine Kinder kam. Die Rasselbande kann nie genug bekommen. (Hat vermutlich nicht ausschließlich mit MIR zu tun 😉 ) Da war sie wieder, die Erinnerung an eine Freundin. Es ist eine Weile her, da saß sie bei mir auf dem Sofa. Wir erzählten uns gegenseitig von den vergangenen Wochen. Sie grinste mich an und meinte:“Du gehörst auf eine Bühne. Das musst du laut erzählen…Stand-Up Comedy…“ Öhm, what? Den Gedanken habe ich beiseite gelegt. Mag sein ich schnack gerne und durchaus mal unterhaltsam, aber auf die Bühne und mit  Carolin Kebekus & Co. mithalten? Never ever, so realistisch bin ich dann doch.

Sein wir mal ganz ehrlich, Podcasts sind ziemlich trendy. Zwar bin ich nach langer Zeit selbst endlich wieder dazu gekommen mir 2 Bücher zu kaufen und habe angefangen sie zu lesen. Aber noch am gleichen Tag hat mir die gütige Instagram Werbung mein neues Buch als Hörspiel vorgeschlagen. Es lebe das allwissende World Wide Web.

Nur zu gern folge ich einigen Kollegen. Fotografen und Bloggern, gerne vereint in einer Person. Lese jede Woche ihre neuen Beiträge, Posts, Kolumnen. Manchmal, beim ersten Blick am Handy, schau ich drüber und denke mir „Hui, das schaffst du jetzt nicht auf die Schnelle. Mächtig viel Text scheint da auf mich einzuprasseln. Aber du liebst doch wie sie schreibt und was sie schreibt. Lesen musst du ihn, aber mit Ruhe.

Diese Ruhe brauche ich zum Lesen. Leider gehöre ich nicht zu den Menschen, die lesen können, während sie spazieren. Ich gehöre zu den Menschen, die dann gegen einen Baum laufen. Mit dem Hund raus und dabei Podcast im Ohr, das ist meine Variante und ganz klar die bessere für meinen ohnehin schon geschundenen Körper.

& ich mach nun mit. Mir gefällt der Gedanke, auch wenn ich weiß, das es sich wohl kaum Massen anhören werden. Wenn überhaupt, nur Menschen die mich eh schon kennen. Ich habe das Rad nicht neu erfunden. Bin nicht die Einzige hier.

Wer mag, darf mir trotzdem nur zu gerne zu Sound Cloud folgen: Podcast

Kostet nix, tu nicht weh, gibts als App fürs Handy.

Weiter geht´s nun mit dem eigentlichen Blogbeitrag:

Es ist kein Geheimnis, seit einem Jahr habe ich einen neuen Partner, bin von meinem Mann getrennt. Der „Neue“ und ich haben ähnliche „Altlasten“, je ein Ehepartner von dem wir noch nicht offiziell geschieden sind, je zwei Kinder.

 

Der Scheidungsantrag war noch nicht gestellt, da kamen schon die ersten Fragen: Und, wollt ihr heiraten? Willst du überhaupt nochmal heiraten?  (Von Fragen bzgl. weiterem möglichen Kinderwunsch an der Stelle mal ganz abgesehen)

Wie wäre deine Antwort, wenn er jetzt fragen würde? Was müsste er machen, damit du Ja sagst?

Würde ich ja sagen?

Muss ich ja sagen?

Muss ich als Hochzeitsfotografin verheiratet sein? Wohlmöglich noch ziemlich schnell, damit die Scheidung gar nicht so auffällt und ich der Außenwelt demonstrativ zeige, dass ich an das Konzept der Ehe glaube?

Kann ich Hochzeiten fotografieren, emotional positiv bei der Sache sein? Paaren wirklich sagen „Ich wünsche euch alles Gute“, in der Kirche zuhören wie sie sich die ewige Liebe schwören, wissend, dass es absolut normal ist zu scheitern. Wissend, das knapp jede zweite Ehe geschieden wird und trotzdem Pakete verkaufen an Paare und ihren großen Tag festhalten? Gut zwei Hochzeiten kommen auf eine Scheidung, 1960 waren es noch 12, aber das ist wohl ein anderes Thema.

 

Meine Hochzeitsfotos liegen mittlerweile zusammengepackt in einem Umzugskarton auf dem Dachboden, nebst Hochzeitskleid und anderen Erinnerungsstücken.

 

Eine Hochzeit kostet Geld, viel Geld. Mitunter mehrere Tausende, Zigtausend, nach oben ist alles möglich, ebenso wie bei einer Scheidung. Warum sind wir bereit soo viel Geld auszugeben, wenn wir wissen das es scheitern kann?

Wie kann ich da sitzen und den Paaren sagen „Ich freu mich auf  eure Hochzeit“ und wissen, hey ihr oder das Paar das gleich kommt, einer von euch wird sich vermutlich wieder scheiden lassen, so die Statistik.

Freu ich mich, so rein wirtschaftlich gesehen, als Hochzeitsfotografin, dass die Scheidungsquote bei 40/50% liegt. Weil man dann ja wieder einen neuen Partner sucht, neu an das große Ganze glaubt, neu heiratet, die zweite, dritte, vierte Ehe eingeht. Jedes Mal einen Fotografen bucht und ich so nie arbeitslos werde?

 

Egoistisch? Profitgeil? Markaber? Allein diesen Gedanken zu äußern? Vielleicht.

 

Versteht mich nicht falsch, das hier ist um Himmels Willen kein Aufruf Pro Scheidung & Contra Ehe!

 

Es ist kein Frust, keine Traurigkeit. Weiß Gott keine Midlife-Crisis .

Es ist einfach mein aktueller Stand, so ganz persönlich halt. Nach 15 Jahren Beziehung, Scheidung im siebten Ehejahr. Es ist ein realitätsnahes Klarsehen, ohne die Rosarotebrille. Ein live miterleben, was werden kann. Eh ich 30 wurde, hatte ich bereits einen Ehenmann, zwei Kinder, ein Eigenheim, einen Hund, Ausbildung, Job, Selbstständigkeit, Trennung, Scheidungsantrag, neue Liebe. BÄM. 30.

Mag ich eigentlich noch auf Hochzeiten sein? Was müssen denn die Leute denken, wenn das Brautpaar eine Fotografin für die Hochzeit engeriert, die sich von ihrem Mann getrennt hat und nun in Scheidung lebt? Nicht, dass die Emotionen mit der Frau durchgehen, sie durch die Kirche rennt und laut „Neeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiin, tut das nicht!!!“ brüllt. Oder, was ist, wenn sie sentimental wird und vor den Gästen heult? Vielleicht flucht sie auch in einer Tour? Oder gibt beim Getting Ready ätzende Kommentare über Ehemänner ab?

Was gäbe es nicht für gute Gründe, all den Frust und die Gefühle mal gebündelt explodieren zu lassen. Oder einfach alles zu boykottieren. Wenn man als kleines Kind was nicht wollte oder gut fand, hat man die Arme verschrenkt, bockig geguckt und sich weigernd weg gedreht. Das kann ich heute auch noch, gar kein Problem. Fragt mal meine Freund! Da wird ne Flunsch gezogen und ich wünsche viel Erfolg in den nächsten Stunden mit mir. Bocken. Sturr sein. Läuft.

Wäre doch möglich. So rein theoretisch zumindest. Bei Frauen weiß man nie. Erst recht nicht, wenn sie so gepflegt einen an der Waffel haben 😉

Nein ihr Lieben. Ich bin immer noch sehr sehr gerne auf Hochzeiten. Ich bin nach wie vor verliebt in all das Kribbeln, die Liebe, die Romantik, das Kribbeln, die Spannung und den rosa Kitsch. Ich liiiiiiebe rosa Kitsch auf Hochzeiten! Für mich gehört das alles zusammen und bei jeder Hochzeit bin ich neu aufgerget und fieber mit. Hochzeiten zu begleiten ist für mich keine Sache, nicht einfach nur ein Job. Hochzeiten begleiten ist so emotional und besonders. Mit den Brautpaaren entsteht immer ein ganz freundschatlicher Umgang, ein vertrautes Verhältnis. Wir erfahren so viel von einenader, haben meist Monate, teilweise Jahre vorher Kontakt und halten diesen. Bei einer der persönlichsten Augenblicke im Leben darf ich so oft dabei sein. Das eehrt und freut mich sehr!

Stimmt schon, manchmal muss ich mir n Tränchen verdrücken, nicht immer gelingt es. Manchmal werd ich tatächlich wehmütig, denke an meine vergangene Ehe, das lässt sich gar nicht ausblenden. Muss es auch nicht, gehört mit dazu.

 

Im Grunde ist es doch so, dass wir alle das Gleiche wollen. Gut, es mag Menschen geben, die das Singleleben ehrlich wertschätzen, auch auf Dauer. Das ist in Ordnung. Aber zumindest wenn ich von mir spreche, kann ich sagen, ich bin das nicht. In mir steckt kein Einzelgänger. In mir steckt der Wunsch nach dem altmodischen Rollenmodell, spießiges Vorstadtleben mit der Familie, mit meinem Mann an der Seite, einem Ring am „richtigen“ Finger, und auf der anderen Seite Emanzipation, Eigenständigkeit, Selbstständigkeit. Vereint, gehalten von Liebe. Getragen von dem Glauben an das große Ganze. Gestärkt von dem Wunsch, dass es sie gibt, die große Liebe, die für immer hält, mit allem Drum und Dran.

 

Fazit

Ja.

Vermutlich wäre das meine Antwort. Im richtigen Moment, vom richtigen Mann, am richtigen Ort, auf die richtige Art und Weise und ganz wichtig, wohl nie wieder so, das ich den ersten Schritt mache. Ich möchte von ganzem Herzen gewollt und erobert werden, mit rosaroter Brille und allem drum und dran.

Ja.

Ja, zur Liebe, ja zur Hochzeit. Ja, ich glaube noch immer an die große Liebe, die für immer hält und lasse mich tragen von dem Gedanken, dass jede zweite Ehe HÄLT!

Ja, ich fühle mich authentisch. Ich bin eine Hochzeitsfotografin, die Hochzeiten liebt, die die Liebe liebt, die die Menschen liebt die die Liebe lieben und die sich trauen. Eine Frau, die all das unglaublich gerne begleitet und einfach kein Geheimnis darum macht, das sie selbst einmal an dem großen Experiment Liebe, an dem Wagnis Hochzeit gescheitert ist.  Eine Frau, die sich mitfreut, wenn Menschen ihr großes Glück gefunden haben. Was ich sage meine ich ehrlich, stets, nicht immer mag das jeder Hören. Ehrlichkeit kann erschrecken.

Was meint ihr?

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